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Beratung ohne Ratschlag – Systemisches Coaching für Führungskräfte

Der Grundgedanke eines guten Coachingprozesses liegt in der gleichrangigen Begegnung und Würdigung der Eigenkompetenz und der Einzigartigkeit jedes Kunden und eine kongruente Begegnung mit diesem. Ein erfahrener Coach weiß, dass die Problemträger meist unbewusst über die Ressourcen verfügen, welche für eine gute Lösung benötigt werden. Der Coach konzentriert sich deshalb darauf, Unterstützung anzubieten, sodass die richtigen Antworten aus dem inneren Erleben des Klienten so schnell und wirksam wie möglich aktiviert bzw. reaktiviert werden können.

In der Gedankenwelt des Coachs gibt es kein Richtig und kein Falsch, sondern es ist ruhig erlaubt zu experimentieren und jene Werkzeuge zu verwenden, die zu einem selbst passen. Voraussetzung ist allerdings ein achtungsvoller Umgang mit dem Kunden. Die Balance zwischen dezenter Zurückhaltung eigener Beiträge einerseits und dem klaren Angebot zur strukturierten Fokussierung auf zieldienliche Erfahrungen andererseits, ist eine Kunst, die nicht jeder kann.

Gute Berater können ein System jeweils nur verstören und sollten dies auch tun, in der Hoffnung, dass eine Neuausrichtung ein konstruktiveres Ergebnis bringt als bisher. Wenn jemand sich z.B. als sehr unfähig oder defizitär erlebt, heißt dies dann entsprechend auch nicht, dass er keine eigenen Fähigkeiten hat, sondern, dass diese auf seiner wirksamen Erlebniswelt oder aus seiner Wahrnehmung heraus nicht sichtbar sind. Die Aufgabe des Beraters ist es dann, den Betreffenden zu unterstützen, unbewusste Ressourcen und gespeicherte Kompetenzen wieder erlebbar und nutzbar zu machen. Bei solchen Personen erscheint das Bewusstsein oft eingeengt, wie durch eine Art Tunnelblick. Bei eingeengten Zuständen (auf der Seite der Kunden), ist auch selbstverständlicher Weise der Wunsch z.B. Ratschläge zu bekommen, groß. Er möchte an die Hand genommen zu werden, um aus diesem Zustand heraus geführt zu werden. Wird ein Coach diesem Wunsch folgen, wird der Kunde sich anfangs vielleicht sehr erleichtert fühlen, da er die Kompetenz an den Berater abgibt. Häufig wird dadurch aber das Problemmuster nur verstärkt. Würde der Coach aber andererseits seinen Wunsch einfach ablehnen, würde er sich nicht gewürdigt fühlen und den Coach als abwertend wahrnehmen.

Diese Balance zu meistern, liegt im Geschick des Beraters und verlangt eine dauernde Selbstreflexion. Die eigene Sichtweise und die Wünsche des Kunden müssen kongruent geachtet werden und immer wieder muss versucht werden, sich auf das Weltbild des Klienten einzustellen. Oft brillant anmutende Interventionen eines Coaches für das System des Kunden bewirken rein gar nichts, wenn der Kunde in seinem Inneren nicht stimmig ja sagen kann. Interventionen wirken deshalb nur dann, wenn im inneren Bild des Kunden die Maßnahme als sinnvoll wahrgenommen wird. Natürlich ist es notwendig eigene Hypothesen zu bilden, welche man dem Kunden auch anbieten kann. Wichtig ist aber immer zu reflektieren, ob er sie nehmen kann oder ob es einfach ein Experiment war. Fragen: „wie könnte es vielleicht so, oder so oder ganz anders für Sie passen“, sind dadurch sehr hilfreich. Bei Suchprozessen im Kunden, sollte sich der Coach geduldig zurückhalten und ihm seine eigene Such- und Findezeit gönnen. Häufig ist festzustellen, dass gerade bei Fragen, bei denen der Kunde lange nachdenken muss, die besten Ergebnisse erzielt werden.

Eine gute Coachingintervention kann auch so verstanden werden, wie wenn ein Kellner einem Gast verschiedene Menüs anbietet, dieser aber selbst wählt, ob eine gute Speise für ihn dabei ist, oder ob er doch ein ganz anderes Menü bestellen will. Der Coach arbeitet hauptsächlich damit, Fragen zu stellen und das Finden der Antworten dem Kunden zu überlassen. Systemisches Coaching lebt von der Person des Coaches. Es ist keine Technik, sondern vielmehr eine Haltung, in der dem Kunden die Lösungskompetenz überlassen wird und in der der Coach seinem Gefühl und seiner Erfahrung folgt. Er achtet immer darauf welches Konzept genau in jenem Augenblick ihm am besten erscheint.

Der Grundhaltung beim Coaching: Systemisch konstruktives Denken

Wenn man eine Situation von fünf verschiedenen Augenzeugen beschrieben bekommt, wird man feststellen, dass man niemals fünf gleiche Beschreibungen erhält. Natürlich stellt sich da die Frage, wer hat Recht? Alle, keiner oder vielleicht einzelne? Das ist nie eindeutig zu beantworten, weil jeder eine Sache aus einem ganz anderen Blickwinkel sieht und eine komplett gleiche Einstellung niemals bei zwei Menschen auf der Welt gleich ist. Für den Coach bedeutet das: Wenn er eine gesamte Abteilung oder Organisation verändern bzw. retten will und nichts passiert, kann der Grund sein, dass diese Organisation solche Veränderungen für nicht sinnvoll hält und deshalb nicht mitträgt. Es ist deshalb immer wieder wichtig, herauszufinden, was der andere unter einem bestimmten Begriff versteht. Und wir können davon ausgehen, dass er mit Sicherheit eine andere Sprache spricht als der Berater.

Alles Handeln macht für den Handelnden in dem Augenblick Sinn indem er etwas tut

Menschen tun, wenn sie ihr Tun beeinflussen können, immer das, was in diesem bestimmten Augenblick für sie am meisten Sinn macht. Es ist daher zwecklos einem zu erklären, dass andere Dinge derzeit wichtiger wären, dass er sich anders entscheiden sollte, oder dass sein Vorhaben niemals zum Erfolg führen kann. Wir können Menschen nicht in eine bestimmte Richtung verändern. Die Entscheidung sich in einer bestimmten Art zu verhalten oder nicht zu verhalten, bleibt ganz allein beim Einzelnen. Jedes Handeln unsererseits, ist daher ein Handeln ins Dunkle.

Auch im Coaching können wir viele Auswirkungen unserer Fragen und anderer Interventionen erahnen, aber wir wissen niemals, was wir tatsächlich bei unseren Kunden auslösen und welche Auswirkungen das Coaching für den Kunden hat. Es ist bisher auch noch keinem Menschen gelungen, seinen Partner zu ändern, obwohl viele dieses Ziel vom ersten Augenblick des Kennenlernens an verfolgen. So werden viele Paare früher oder später von dieser Erkenntnis überrascht und sind vielfach enttäuscht, dass ihre Bemühungen nicht in die gewünschte Richtung gefruchtet haben. Das Ergebnis dieses Prozesses sind sehr häufig Trennungen.

Was bedeutet das für den Coach? Menschen müssen von sich aus Sinn darin finden und bereit sein sich zu ändern, damit sie diese neuen Handlungen tatsächlich auch setzen. Sie müssen einen Sinn darin finden, sich zu ändern und der Preis, der für die Veränderung gezahlt werden muss, muss dann niedriger sein, als der Gewinn, den sie aus der Veränderung ziehen. Es wirken auch langfristig keine Drohungen wie: „im nächsten Jahr muss der Umsatz verdoppelt werden“. Natürlich werden solche Ziele oft erreicht, allerdings mit dem Ziel, nach der Erreichung in Ruhe gelassen zu werden, um weiter zu machen wie gewohnt. So kann sich jemand bewusst dafür entscheiden, noch intensiver und mehr zu arbeiten, um seinen Job zu behalten, aber er wird dann aufhören seine Leistungen zu steigern, wenn die Gefahr der Kündigung vorbei ist.

Was kann der Coach nun tun, wenn Personen Probleme selbst nicht lösen können, gleichzeitig jedoch kluge Ratschläge von anderen nicht befolgen wollen. Die Antwort ist leicht aber nicht einfach: Systemisches Coaching ermöglicht den Menschen ihr Wahrnehmungsfeld zu erweitern oder zu verändern. Indem sie Dinge anders beschreiben, erklären oder bewerten. Solange der Coach darauf achtet, neue Denk- und Handlungsmuster beim Kunden anzuregen, deren Umsetzung bzw. Überprüfung der Tauglichkeit diesem aber selbst überlässt, entstehen beim Kunden maßgeschneiderte spezifische Problemlösungen. Das heißt Lernen wird möglich.

Menschen sind nicht, sondern sie verhalten sich

Viele Leute sagen: „ich bin eben so wie ich bin“, das führt zur fast vorprogrammierten Ausweglosigkeit aus einer Situation. Ganz anders verhält es sich mit der Aussage: „ich arbeite viel (um mir den Wunsch nach einem Eigenheim zu erfüllen oder ähnlichem)“. Jemand, der dies sagt, kann ab morgen (oder spätestens nach Erreichung des von ihm gesetzten Ziels) etwas anderes tun oder sein Verhalten ändern. Es ist deshalb wichtig darauf zu achten, ob jemand sagt: „ich bin ein Workaholic“ oder ob er sagt: „ich arbeite viel“. Jemand der etwas tut, kann im nächsten Augenblick etwas anderes tun. Jemand der etwas ist, unterliegt einer gewissen Behäbigkeit, die sehr oft schwer oder nie veränderbar ist.

Im systemischen Coaching vermeiden wir jegliche Zuschreibungen und achten darauf, Zuschreibungen, die vom Kunden selbst erfolgen, sehr genau nachzufragen. Das heißt wir fragen nach, wie sich der Kunde verhalten müsste oder wie er eine bestimmte Situation anders beschreiben, erklären oder bewerten müsste, damit er von sich nicht mehr behaupten könne, er wäre so.

Ein Coach kann die Probleme anderer weder verstehen noch lösen

Wenn wir davon ausgehen, dass ein Problem nur durch den Betroffenen wahrgenommen werden kann, dann können wir als Coaches die Situation und Probleme des Kunden niemals verstehen. Der Kunde ist also der alleinige Experte für seine Probleme und damit auch für die Lösungen. Jedes Problem ist für den Kunden einzigartig, wird nur vom Betroffenen wahrgenommen und ist für diesen jedoch in dem Moment wirklichkeitsbestimmend. Sobald der Coach etwas zu verstehen meint oder nur das Ziel hat, das Problem möglichst genau zu verstehen, fühlt sich der Beratende gezwungen, sein Problem noch genauer und noch umfassender zu erklären, damit verstrickt er sich immer mehr in sein Problem (und der Coach mit ihm). Der problemschildernde Kunde spricht also  in einer Art Fremdsprache, die der Coach weder versteht noch selber spricht. Er muss es also schaffen, wichtige, vom Kunden immer wieder gebrauchte Ausdrücke, aufzugreifen, um diese in unveränderter Form weiter zu verwenden (ohne jedoch zu verstehen zu müssen, was der andere damit meint). Dann wird das Coaching wesentlich erfolgreicher verlaufen, denn der Kunde wird sich verstanden, aber nicht analysiert und beratschlagt fühlen.

Fazit: Coaching heißt nicht „Ich sage dir was richtig für dich ist“, sondern „ich unterstütze dich, dass du die für dich richtigen Antworten findest und dir Werkzeuge suchst, um diese dann auch umsetzen zu können.“