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Keine Chance dem Burnout

Waren es früher oft nur Führungskräfte, so sind heute viele Mitarbeiter in Betrieben zunehmend gefährdet in ein Burnout zu geraten. Ich denke dabei nicht an jene Menschen, die sagen, ich gehe jetzt in einen „Burnout Krankenstand“. Leider passiert dies auch zunehmend öfter, da es anscheinend fast schon modern ist, an einem Burnout zu leiden. Meine tägliche Erfahrung zeigt mir aber, dass sich ein Mitarbeiter, der in einem wirklichen Burnout ist, solche Gedanken überhaupt nicht macht. Er versucht eher bis zur vollkommenen Erschöpfung noch mehr zu leisten, seine Aufgaben weiter gut zu erledigen und den Bedürfnissen anderer gerecht zu werden, obwohl der Körper und die Psyche lange schon nach Hilfe schreien.

Wie kann man als Mitarbeiter vorbeugen?

Es wäre für jeden Betroffenen sehr wichtig, mehr auf seinen eigenen Körper zu horchen und vermehrte Infektionskrankheiten, Kopf- und Kreuzbeschwerden oder unerklärliche Stimmungsschwankungen und Schlafprobleme als ernste Warnzeichen zu erkennen. Wenn man dann noch bemerkt, dass Kontakte mit Freunden in der Freizeit zunehmend als unangenehm und lästig erlebt, Hobbys vernachlässigt und die Wochenenden durchgearbeitet werden, dann besteht höchste Alarmstufe.

Jeder Mensch sollte darauf achten, dass er nach Phasen der Anspannung auch Zeiten der Entspannung genießt, und da erlebe ich in den letzten Jahren einen dramatischen Anstieg an Gefahren. I-Pad, I-Phone, Handys mit Internetzugang und andere Tabletts verfolgen die Meisten bis in die Badewanne. Wo man früher entspannt die Gedanken leeren konnte, werden diese nun auch an solchen Orten außerhalb der Arbeitszeit zunehmend genützt und durchaus als angenehm erlebt. Viele übersehen aber dabei, dass dies nur weiterer Konzentration bedarf und dadurch die Psyche weiter belastet wird.

Am besten können Mitarbeiter vorbeugen, wenn sie sich bewusst Zeiten reservieren, die ihnen helfen, während der Arbeitszeit und in der Freizeit Reize zu vermindern, um neue Kräfte zu sammeln. Viele berichten, dass ihnen das Lesen eines Buches, beruhigende Musik oder ein angenehmes Gespräch mit Freunden gut tut, aber am Hilfreichsten erlebe ich für alle Gefährdeten die Bewegung in die Natur. Ich denke da nicht an das Training für den nächsten Marathon, sondern an ein achtsames Verweilen, langsames Gehen oder bestenfalls an ein leicht anregendes Laufen (nicht über einhundert Puls pro Minute) in der Natur. Die Kombination der frischen Luft und die stressfreie Bewegung des Körpers bewirkt in der Regel bereits nach einigen Tagen eine wesentliche Stärkung der inneren Ruhe und Lebensfreude. Nicht vergessen werden sollte auch, wie wichtig es ist, das Gefühl zu haben, in einem stressfreien System eingebunden zu sein. Eine gelungene Paarbeziehung und ein guter Kontakt zu den Eltern und Kindern sollte im Rahmen der eigenen Möglichkeit immer im Vordergrund stehen.

Wie kann der Arbeitgeber Symptome erkennen?

Arbeitgeber sollten aufhören zu glauben, dass nur sie Schuld sind, wenn Mitarbeiter in ein Burnout geraten. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass dies in den seltensten Fällen die alleinige Ursache ist. Vielmehr bemerke ich, dass Menschen, die gefährdet sind, auch in der Freizeit versuchen, es allen recht zu machen, sich schlecht abgrenzen können und auch dann noch für jeden da sind, wenn die Energie schon längst verbraucht ist. Sie halten sich oft für unentbehrlich und haben teilweise auch wenig Vertrauen in andere, was dazu führt, dass sie oft vieles selber machen auch wenn andere dafür verantwortlich wären. Führungskräfte sollten also drauf achten, dass Mitarbeiter ihre Urlaube konsumieren, keine Arbeit mit nach Hause nehmen und Überstunden auch wieder abbauen. Wenn sie merken, dass jemand dazu fast gezwungen werden muss, dann sollte sich der Vorgesetzte nicht scheuen, den Betroffenen zu einem professionellen Coach zu schicken, der ihm hilft, seine belastenden Verhaltensweisen zu erkennen, die Ursachen herauszufinden und dadurch auflösen zu können.

Evaluierung in Betrieben kann helfen, psychische Belastung zu verringern

Seit ersten Jänner 2013 sind Betriebe verpflichtet, ihre Mitarbeiter neben körperlichen Gefahren auch vor psychischen Belastungen zu schützen. Diese Evaluierung erlebe ich als Begleiter oft als sehr hilfreich, da in dem Prozess alle Mitarbeiter die Möglichkeit haben, gemeinsam stress gefährdende Verhältnisse im Betrieb anzusprechen und Maßnahmen dagegen zu entwickeln. Bei diesem Prozess erlebe ich oft, dass nachher Mitarbeiter kommen und sich entscheiden eine Einzelbegleitung in Anspruch zu nehmen, da sie erkannt haben, dass sie selber in großem Maße für ihr Befinden verantwortlich sind und nicht die Firma die alleinige Schuld hat.