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Männer, lasst euch helfen!

Fassungslos, wütend und traurig stehen Angehörige am Grab, wenn ihr Vater, Partner, Bruder oder Sohn seinem Leben selber ein Ende gesetzt hat. Leider haben viele Männer noch immer zu wenig Mut, eine lebensrettende Begleitung in Anspruch zu nehmen.

„Kein Mensch weiß, wie es mir wirklich geht“ − diese Aussage passt auf viele Männer, die erfolgreich, aber zunehmend überlastet sind. Bevor sie sich Schwächen, Ängste und Überforderung eingestehen, bauen sie eine strikte Fassade auf, hinter der sie sich verstecken. So erkennt das Umfeld häufig viel zu spät das dramatische Ausmaß der psychischen Befindlichkeit. Angehörige sind dann fassungslos, weil sie den Toten als lebenslustig, freundlich und zuvorkommend erlebt haben, als liebvollen Vater, wertvollen Mitarbeiter oder verständnisvollen Chef. Warum ist das so?

Die Ursache ist meist eine „ungenügende“ Erziehung für das Leben. Auch wenn Eltern es gut gemeint haben, so waren sie oft selber im Stress. Dadurch haben sie dem Kind vielleicht nicht jene Zeit, Liebe und Geborgenheit geben können, die es gebraucht hätte, um sich „erwachsen“ dem Leben zu stellen. Irgendwann spüren die erwachsenen Männer dieses Defizit, diesen Hunger nach Anerkennung, Selbstbestimmung, Freiheit und Frieden. Die innere Stimme schreit nach Veränderung, jedoch ist die Angst, sich mit den eigenen Gefühlen auseinander zu setzen, zu groß. Ablenkung findet der Betroffene z.B. durch noch mehr Leistung, Alkohol oder Tabletten. Dies erzeugt einen künstlichen Zustand von Schmerz- und Empfindungslosigkeit. Dadurch können sie jene Gefühle, nach denen sie sich am meisten sehnen – Nähe, inneren Frieden und Geborgenheit – nicht wirklich spüren. All das versuchen sie dann in der Außenwelt zu finden. Sie wissen einfach nicht, was sie tun können, um es mit dem Leben, so wie es ist, in einer Art aufzunehmen, dass sie immer wieder neu Erfüllung finden, „innerlich satt“ werden, Belohnung, Ermutigung und einen Zuwachs an Erfahrungen und Fähigkeiten bekommen.

Depressionen werden oft nicht erkannt

Männer, die erfolgreich und gesellschaftlich angesehen sind, scheinen diesen Erfolg auch zu genießen. Unangenehme Begleiterscheinungen wie Kopfweh, Kreuzbeschwerden, Darmprobleme, Ohrensausen, Magenschmerzen oder Verspannungen nehmen sie zwar wahr, können aber keinen Zusammenhang mit ihrer Psyche feststellen. Sie betrachten ihren Körper als Maschine, die einfach zu funktionieren hat. Dabei sollte man den eigenen Körper als Mitarbeiter sehen, der Wesentliches dazu beiträgt, dass der Erfolg langfristig abgesichert wird. Wenn dieser „Mitarbeiter“ nicht mitspielt, ist auch der Erfolg gefährdet. Für Männer ist es scheinbar wesentlich einfacher, sich „mechanische“, also körperliche Beschwerden einzugestehen, als sich mit psychischen Erkrankungen auseinanderzusetzen. So wird die Depression häufig erst dann erkannt, wenn es bereits sehr spät ist.

Ein friedliches Leben ist einfach aber nicht leicht

Die besten Rahmenbedingungen für „zurück zum eigenen Leben“ sind sehr einfach, aber nicht leicht! Das hört sich wie ein Widerspruch an, wird aber in der Realität tatsächlich von vielen so erlebt. Es geht hauptsächlich um das Wiedererlernen des Staunens, Wahrnehmens, der Achtsamkeit und Ruhe. Dabei ist alles andere als Hektik, Tun und Machen angesagt. Gerade das „Nichts-erreichen-Müssen“ ist die beste Voraussetzung auf dem Weg zu sich selbst. Das erleben aber viele als befremdend, unrealistisch und schwer. Wie sollte es auch anders sein, wenn das bisherige Leben von Leistung, Erfolg, teuren Gütern und Aktivität geprägt war? Für Begleiter ist es deshalb wichtig, Betroffenen Werkzeuge zu geben, damit sie lernen, sich selber (wieder) zu spüren. Sie können sich dann sozusagen „aus sich selber heraus ernähren“, indem sie Gefühle wie Zufriedenheit, Anerkennung, Geborgenheit, Ruhe und Gelassenheit in sich selber entdecken.

Die Balance von Leistung und Besinnung macht erfolgreich

Eine gute Balance zwischen Leistung und Besinnung gewinnt eine immer größere Bedeutung. „Wie kann ich mich selbst führen und meine körperliche und seelische Gesundheit erhalten?“, ist eine Frage, mit der sich zunehmend mehr Männer auseinandersetzen sollten. Um langfristig erfolgreich zu bleiben, ist es notwendig, grundsätzlich zu überdenken, was dem eigenen Leben Sinn gibt. Männer sollten sich damit auseinandersetzen, was sie trägt und Möglichkeiten finden, auf dem inneren Weg zu reifen. Sie haben somit einen doppelten Auftrag: Einerseits tragen sie Verantwortung für ihr Umfeld, andererseits haben sie den Auftrag, ihre Innenwelt in gleichem Maße miteinzubeziehen.

Der Mut für eine Begleitung wirkt sich auch auf das Umfeld positiv aus

Egal wo Männer gerade stehen oder in welchem Sumpf sie stecken, sie können jeden Tag beginnen, ihr Leben so zu verändern, dass es lebenswerter und wertvoller wird. Allerdings nur dann, wenn sie wissen, dass sie immer selber dafür verantwortlich sind und kein Partner, Kunde, Mitarbeiter oder Lieferant. Wenn sie beginnen auf ihre Gefühle zu achten und ein für sie lohnenswertes Ziel erarbeiten (möglichst im Einklang mit ihrer Partnerin), dann merken sie in kurzer Zeit, dass sich die Lebensqualität wesentlich verbessert. Dazu braucht es aber oft eine professionelle Begleitung.